Wer Marketplace-Prozesse automatisieren will, landet schnell bei zwei Plattformen: n8n und Make (früher Integromat). Beide verbinden APIs über visuelle Workflows, beide haben eine große Nutzerbasis, beide funktionieren für eBay-Anbindungen. Die Unterschiede liegen im Betriebsmodell, in der Kostenstruktur und in dem, was passiert, wenn etwas schiefgeht. Dieser Vergleich bleibt bewusst neutral – beide Werkzeuge haben ihre Berechtigung.
Die Grundmodelle
n8n ist ein Fair-Code-Projekt: Der Quellcode ist offen, die Software kann selbst gehostet werden (Docker, eigener Server, Cloud-VM). n8n bietet zusätzlich eine eigene Cloud-Variante an, für die pro Workflow-Ausführung abgerechnet wird.
Make ist eine reine Cloud-Plattform. Es gibt keine Self-Hosting-Option. Die Abrechnung erfolgt über „Operations“ – jede Aktion eines Moduls innerhalb eines Szenarios zählt als eine Operation.
Dieser Unterschied zieht sich durch alle weiteren Punkte.
Hosting und Datenkontrolle
Bei n8n (self-hosted) liegen alle Daten – Bestellungen, Käuferadressen, API-Tokens – auf deiner eigenen Infrastruktur. Du entscheidest über Standort, Backups und Zugriff. Das ist relevant, wenn du Kundendaten verarbeitest und Auftragsverarbeitung sauber dokumentieren willst. Die Kehrseite: du bist für Updates, Sicherheit, Verfügbarkeit und Skalierung selbst verantwortlich.
Bei Make läuft alles auf der Infrastruktur des Anbieters. Der Betrieb ist kein Thema, dafür hast du weniger Einfluss darauf, wo und wie Daten verarbeitet werden. Make bietet Rechenzentren in der EU an, die Auftragsverarbeitung läuft über deren Standardverträge.
Preismodell
Hier unterscheiden sich die Plattformen am stärksten.
| Aspekt | n8n (self-hosted) | n8n Cloud | Make |
|---|---|---|---|
| Abrechnungseinheit | Keine (Serverkosten) | Workflow-Ausführungen | Operations |
| Kosten bei komplexen Workflows | Unverändert | Unverändert | Steigen mit jedem Modul |
| Kosten bei hohem Volumen | Serverleistung | Ausführungskontingent | Operations-Kontingent |
| Planbarkeit | Hoch | Mittel | Abhängig von Szenario-Design |
Für Marketplace-Automation ist der Unterschied konkret: Ein Bestellworkflow mit zehn Schritten (Abrufen, Filtern, Duplicate Check, Sheet schreiben, Bestand aktualisieren, Benachrichtigen …) kostet bei Make zehn Operations pro Bestellung. Bei n8n zählt die gesamte Ausführung einmal – oder bei Self-Hosting gar nicht. Bei wenigen Bestellungen am Tag ist das unerheblich, bei hunderten wird es zum Kostenfaktor.
Fehlerbehandlung
Für Marketplace-Prozesse ist Fehlerbehandlung wichtiger als Funktionsumfang. Eine verpasste Bestellung oder ein doppelter Bestandsabgleich ist teurer als jede Lizenz.
n8n bietet Error-Workflows (ein separater Workflow, der bei Fehlern ausgelöst wird), Retry-Einstellungen pro Node, die Möglichkeit, fehlgeschlagene Ausführungen manuell erneut zu starten, und vollständigen Zugriff auf Ausführungsdaten. Für Dead-Letter-Queues oder Manual-Review-Logik nutzt man typischerweise eine externe Datenbank.
Make hat ebenfalls Error-Handler (Resume, Ignore, Rollback, Break, Commit) direkt am Modul, ein Konzept für „unvollständige Ausführungen“, die später fortgesetzt werden können, und automatische Wiederholungen. Die Handhabung ist eng in die Oberfläche integriert und für Einsteiger zugänglicher.
Beide Plattformen ermöglichen robuste Setups. n8n gibt mehr Kontrolle, Make mehr Komfort.
Komplexität und Lernkurve
Make gilt als einsteigerfreundlicher: Die Oberfläche ist aufgeräumt, viele Module sind vorkonfiguriert, die Dokumentation ist gut. Für einen ersten Workflow „Bestellung → Google Sheet“ braucht man wenig Vorwissen.
n8n ist flexibler, insbesondere durch Code-Nodes (JavaScript oder Python), eigene HTTP-Requests und die Möglichkeit, komplexe Datenstrukturen zu verarbeiten. Das macht n8n zur besseren Wahl, wenn die Business-Logik individuell ist – SKU-Routing-Regeln, Bestandspuffer pro Kategorie, mehrstufige Freigaben. Die Lernkurve ist etwas steiler.
Beide Plattformen haben eBay-Integrationen, die aber nicht alle API-Endpunkte abdecken. Für Inventory API oder Notifications wird man in beiden Fällen HTTP-Requests direkt konfigurieren. Hier ist n8n durch die freie Gestaltung von Requests und Authentifizierung im Vorteil.
Wann welche Plattform?
Make passt gut, wenn:
- Du schnell starten willst, ohne Server zu betreiben
- Dein Volumen überschaubar ist
- Die Workflows aus Standardmodulen bestehen
- Niemand im Team Infrastruktur betreuen möchte
n8n passt gut, wenn:
- Datenkontrolle und Hosting-Standort wichtig sind
- Das Volumen hoch oder schwer vorhersehbar ist
- Die Logik individuell ist und Code-Anteile braucht
- Du (oder ein Dienstleister) den Betrieb übernehmen kann
Die dritte Option: Betrieb auslagern
Die Plattformfrage ist für viele Händler zweitrangig. Wichtiger ist, dass die Workflows laufen, überwacht werden und jemand reagiert, wenn eBay eine API ändert. HandelPilot setzt intern auf n8n mit eigener Datenbank und übernimmt Hosting, Monitoring und Wartung als Managed Service – der Händler kauft den Prozess, nicht das Werkzeug.
Fazit
n8n und Make sind beide geeignete Plattformen für Marketplace-Automatisierung. Make punktet mit Einfachheit und Cloud-Komfort, n8n mit Datenkontrolle, Kostenplanbarkeit bei Volumen und Flexibilität für individuelle Logik. Die Entscheidung hängt weniger von Features ab als von der Frage, wer den Betrieb verantwortet. Wenn du nicht sicher bist, welche Prozesse sich überhaupt lohnen, lass dir eine Automation Map erstellen.